Familie Irisov, Kirgistan - meinbauer.ch
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Trotz Label auf Zusatzverdienst angewiesen

In gebückter Stellung pflückt die Familie Irisov ihre Baumwolle. Denn unter der heissen Sonne Südkirgistans wächst die Pflanze nur hüfthoch. Es ist eine harte Arbeit und die wichtigste Einkommensquelle für die Familie. Obwohl Vater Marksat und seine Frau Zulpukar biologisch anbauen sind sie auf Zusatzverdienste angewiesen. Damit sie genug Einkommen haben um ihre Kinder zur Schule schicken können.

Im Jahr 2014 – dem offiziellen UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe – führen sie auf einer facebookseite stellvertretend für die Bauernfamilien in Honduras n ein öffentliches Tagebuch über ihre Arbeit und ihr Leben. Du kannst daran teilhaben, indem du auf www.facebook.com/familieirisov «Gefällt mir» klickst oder ohne facebook-Konto vorbeischaust.

 

Steckbrief

Familie Irisov: Maksat und Zulpukar mit ihren vier Kindern

0,75 ha Baumwolle
0,75 ha Kichererbsen
0,15 ha Luzerne

Tiere:

  • 7 Kühe
  • 2 Schafe
  • 100 Hühner
  • 24 Turthähne

  

Betrieb und Familie

IMG 3836Baumwolle ernten ist harte Arbeit. Sobald sich die reifen Kapseln im Herbst weit genug öffnen, pflückt die Famile Irisov jede einzelne davon von Hand ab. In gebückter Stellung, weil die Pflanzen unter der heissen Sonne Südkirgistans nur hüfthoch wachsen. Bis ein Kilogramm gesammelt ist, muss ein dicker Bauchschurz voll sein. Die biologisch angebaute Baumwolle ist eine wichtige Einkommensquelle für die Familie. Etwa die Hälfte ihrer 0.75 ha Ackerland bepflanzt die Familie damit. Auf der anderen Hälfte des Landes wachsen dieses Jahr Kichererbsen. Auch ein paar Tiere gehören zum Hof: sieben Kühe, zwei Schafe, etwa hundert Hühner und zwei Dutzend Truthähne. Um die Tiere füttern zu können, pflanzt die Familie im Garten beim Haus auf einer Fläche von 0.15 ha Luzerne an.

Aushilfskräfte unterstützen Vater Maksat (43) und seine Frau Zulpukar (38) in der strengen Zeit im Frühling, wenn die Furchen gezogen und die einjährigen Stauden angepflanzt werden, und bei der Ernte. Der Hof der Familie Irisov liegt im Dorf Arkalyk, im flachen Tiefland von Kirgistan, etwa 25 km von der Provinzhauptstadt Jalalabad entfernt. Die Familie hat fünf Kinder. Die beiden jüngeren Söhne, Baizhigit (12) und Aiziret (6) helfen neben der Schule manchmal auf dem Hof mit. Die volljährigen Kinder sind ausgeflogen: Die älteste Tochter und der älteste Sohn studieren in der etwa 135 km vom Dorf entfernten Stadt Osh, eine weitere volljährige Tochter in Jalalabad.

Maksat gehört zur ersten Generation, die den Hof bewirtschaftet. Er hat das Land 1994 vom Staat erhalten. In der Sowjetzeit gehörte es zu einer Kolchose. Von da an waren sie, ohne Wissen darüber, wie man einen Hof bewirtschaftet und noch ohne funktionierende Abnahmekanäle, auf sich selbst gestellt. Im Jahr 2006 hat die Familie begonnen, ihre Baumwolle biologisch anzubauen. Dabei erhält sie Unterstützung von Helvetas. Biologische Anbaumethoden werden in Kirgistan erst seit gut zehn Jahren angewandt. Der Einsatz von Mineraldünger, synthetischen Pestiziden oder gentechnisch modifizierten Pflanzen ist nicht gestattet. Für den Bauern Maksat hat sich die Umstellung gelohnt: Er spart die Ausgaben für Dünger und sein Boden bleibt dauerhaft fruchtbar. Zudem erhalten die Bauern für die Bio-Baumwolle einen besseren Preis, und die Kooperative der Bio-Bauern zusätzlich eine Fair-Trade-Prämie.

Auf diese Weise kann die Familie ihr schmales Einkommen verbessern. Die Rohbaumwolle verkauft Maksat direkt an die Entkernungsfabrik. Die Kichererbsen stetzt die Familie selbst auf dem Markt ab. Knapp sind die finanziellen Verhältnisse allemal, weil drei der Kinder in Ausbildung sind und Unterstützung benötigen. Wenn etwas Zeit übrig bleibt, fährt Maksat Taxi und verdient so etwas dazu. Wenn es finanziell einmal knapp wird, verkauft die Familie Maksat Tiere oder die Milch der Kühe.

Daneben zieht die Familie im Garten jedes Jahr unterschiedliche Gemüse und Früchte. Gerne möchte die Familie künftig mehr Land dazukaufen und Aprikosen, Pfirsiche und Äpfel biologisch anbauen. Eine breitere Anbaupalette würde die Familie unabhängiger von den stark schwankenden Baumwollpreisen machen.

 

Landwirtschaft in Kirgistan

IMG 3878Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 nahm das unabhängig gewordene Kirgistan eine umfassende Landreform in Angriff. Dabei wurden die grossen, ineffizienten Kollektivbetriebe, die Kolchosen, zerschlagen. Die neu entstandenen kleinbäuerlichen Familienbetriebe erhielten vom Staat Nutzungsrechte für das Land. Durch diese kleine Zerstückelung der Nutzflächen ist es für Bauernfamilien schwierig, ein sicheres Einkommen zu erzielen. Viele Familienmitglieder gehen einem Nebenerwerb nach.

Bei 35 Prozent der ländlichen Haushalte ist die Ernährungssicherheit nicht gewährleistet. Mit 38,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts bildet die Landwirtschaft bis heute das Rückgrat der kirgisischen Wirtschaft. Etwa 55 Prozent der 5,5 Millionen Kirgisinnen und Kirgisen arbeiten im Ackerbau und der Tierzucht. Mehr als 300‘000 Betriebe teilen sich 84 Prozent der Kulturflächen. Die Betriebe sind im Schnitt etwa 2,7 ha gross. 900‘000 weitere kleine, traditionelle Haushalte verfügen über Grundstücke, die im Schnitt 0,11ha umfassen.

Angebaut werden vorwiegend Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse, im Süden ausserdem Tabak und Baumwolle, die auch exportiert werden.

 

 

Bilder

 

 

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Die Familie Irisov wird unterstützt und betreut von:

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